Viele Gläubige folgen dem Kreuzweg von St. Elisabeth zur Abtei Sayn

(AN) Am frühen Morgen des Karfreitags versammelten sich zahlreiche Gläubige in der Medardus-Kirche, um gemeinsam den traditionellen Kreuzweg der Pfarrei St. Elisabeth zu begehen. Viele Menschen fühlten sich eingeladen, den besonderen Weg unter dem diesjährigen Leitgedanken „Wer trägt heute das Kreuz?“ mitzugehen. In mehreren Stationen, die bewusst in die Gegenwart übertragen wurden, wurde deutlich, dass das Kreuz nicht nur ein Symbol der Vergangenheit ist. Vielmehr steht es für die Sorgen und Ängste, die Menschen heute tragen – oft unsichtbar und im Verborgenen. Szenische Darstellungen machten erfahrbar, wie schnell Menschen urteilen, wegsehen oder Teil von Ungerechtigkeit werden können. Der Weg führte die Gläubigen durch die Straßen Bendorfs bis hin zur Abtei Sayn. Besonders eindrücklich waren die Darstellungen von Ausgrenzung, Machtmissbrauch und vorschnellen Verurteilungen – Themen, die viele Teilnehmende sichtlich bewegten. Zugleich wurde von zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die moderne und lebensnahe Gestaltung des Kreuzwegs ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig setzte der Kreuzweg auch Zeichen der Hoffnung. In Momenten der Stille und Begegnung wurde erfahrbar, dass Mitgefühl, Vergebung und gegenseitige Unterstützung Wege aus der Dunkelheit eröffnen können. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, nicht nur Zuschauer zu bleiben, sondern im Alltag Verantwortung zu übernehmen und für Wahrheit und Menschlichkeit einzustehen. Am Ende stand die Erkenntnis, dass jeder Mensch sowohl Lasten trägt als auch Verantwortung für den Umgang miteinander hat. Mit dem gemeinsamen Gebet des „Vater unser“ wurde der Kreuzweg beschlossen – als bewusste Entscheidung, den eingeschlagenen Weg im Alltag weiterzugehen. Der Kreuzweg hat damit auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen gesetzt: für Gemeinschaft, für Mitgefühl – und für die Frage, die über den Karfreitag hinaus nachwirkt: Wer trägt heute das Kreuz?
